Pandora’s scrapebox

Neulich habe ich zwei lobende Kommentare bekommen, beide einigermaßen wortreich und in vernünftigem Englisch, aber nicht sehr spezifisch. Hier ein Beispiel:
„Wow! This blog looks exactly like my old one! It's on a totally different subject but it has pretty much the same page layout and design. Outstanding choice of colors!“
http://1001softskill.blogspot.de/2013/12/fertig-habend.html)


Ich konnte mir schon vorstellen, dass mir da jemand Honig um den nicht vorhandenen Bart schmiert um später ein paar nützliche oder schädliche Links in meinem Blog unterzubringen. Was ich mir jedoch bisher nicht vorstellen konnte, ist, was für eine Industrie (im Sinne von lat. „Fleiß, Betriebsamkeit“) dahinter steckt. Googeln Sie mal den Kommentar-Text.

Es ist eine faszinierende Welt der automatisierten Kommunikation, die genug Stoff für mehrere linguistische Doktorarbeiten bietet. Sprachexperten entwickeln mit viel Liebe und Sachkenntnis Texte, die in jeden Zusammenhang passen und die die Eitelkeit des Blogautors ansprechen. Wenn der sich einlullen lässt, folgen weitere lobende Texte, in denen dann Heizdecken-Links versteckt sind.

Das ist alles unglaublich kreativ. Die Scrapebox-Spezialisten (Scrapebox ist eine Software) sprechen von „Link Dropportunities“ und „harvest“ (http://www.jacobking.com/ultimate-guide-to-scrapebox ). Wunderschön finde ich auch Bausteine wie den folgenden:
“{I have|I've} read this post and if I could I {want to|wish to|desire to} suggest you {few|some} interesting things or {advice|suggestions|tips}.” (https://gist.github.com/shanselman/5422230 - Danke an shanselman für die Aufklärung)

Es gibt auch noch ausgeklügeltere Systeme. Automatisch wird nicht nur nach Blogs gesucht, sondern auch nach inhaltlichen Stichworten. Die werden dann in die Satzerzeugung einbezogen, sodass das Ganze noch überzeugender ist. Bei meinem Blog wäre das z.B. „Kommunikation“ gewesen.

Ich muss an Eliza denken. Eliza ist ein Kommunikationsprogramm, das Joseph Weizenbaum in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf der Grundlage der Gesprächstherapie von Carl Rogers entwickelt hat. Damals hat man Menschen mit dem Programm kommunizieren lassen und viele von Ihnen glaubten, dass ihr Gesprächspartner auch ein Mensch wäre. Wer einmal mit Eliza sprechen will, kann das probieren: http://www.masswerk.at/elizabot/

Die Scrapebox-Spezialisten können bestimmt noch eine Menge von Eliza und vor allem von Carl Rogers lernen.

Mal schauen, welche interessanten Unterhaltungen ich demnächst über das Kommentarfeld machen kann.

P.S.: Ja, mein Bloglayout ist super und ich habe tolle Farben ausgewählt. Das alles hat keine fünf Minuten gedauert dank des schönen Baukastens von Blogger.

Nachtrag: Noch'n Versuch (16.07.17):

"Admiring the commitment you put into your website and detailed information you offer.
It's nice to come across a blog every once in a while that isn't the same out of date rehashed information. Excellent read!
I've bookmarked your site and I'm adding your RSS feeds to my Google
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