Fake Numbers

In der Diskussion um Fake Facts sollten wir die Fake Numbers nicht vergessen. Gerade habe ich mich wieder mal bei YouTube festgesehen und bin in einem Rhetorik-Video über die Aussage gestolpert, dass 55% der Wirkung eines Redenden von der Körpersprache abhängen. (Dazu habe ich früher schon mal etwas geschrieben.)

Nun ja, hier ist meine Zahl des Jahres:

Fake Number + Fremdwort = Erfolg

Mit dieser Folie könnte ich ein Seminar über Zeitmanagement für Studierende anfangen. ‚Wow!‘, denken die meisten da gleich, ‚das sind aber viele.‘ Ich würde dann damit fortfahren zu erklären, was Prokrastination heißt, nämlich eine Neigung zum Aufschieben. Die Formel heißt:

Zahl+Fremdwort=Strahlwirkung

Üblicherweise stellt kein Seminarteilnehmer Fragen wie zum Beispiel:
Für welche Region gilt das?
Für welchen Zeitraum gilt das?
Wie ist die Stichprobengröße? (Eine berechtigte Frage bei der Angabe „97,836 %“)
Wer ist Autor der Studie?


Mit Zahlen kann man Aussagen einen Anstrich von Exaktheit, Wissenschaftlichkeit und Bedeutung verpassen. Noch mehr hilft es, wenn man die Zahlen mittels eines Diagramms visualisiert. Die Aussagen, die so verschönt werden, können sowohl richtig als auch falsch sein. Meistens sind sie banal.

In meinem Beispiel könnte ich die Aussage etwa so übersetzen:

Banale Botschaft ohne Brimborium

Nur kann ich mit so einer Folie nicht erfolgreich ein Seminar oder einen Vortrag beginnen. Da wird jeder sagen: „Das wusste ich doch schon längst.“

In dem ganz oben genannten Beispiel wäre die korrekte Botschaft über die Wirkung eines Redenden: „Bei einem Vortrag hängt eine Menge von der Körpersprache ab.“ So eine Aussage beeindruckt niemanden.

Ich muss mich davor hüten, dass ich, sobald ich Fake Numbers höre, dem Redner auch den Rest nicht mehr glaube. Eine faire zweite Chance sollte schließlich jeder bekommen.

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