Wie zerteilt man ein Kamel?

Die bekannteste komplexe Verhandlungsstrategie ist das so genannte Harvard-Konzept, das auf folgendem Buch basiert:

Roger Fisher, William L. Ury, Getting to Yes, 1981 (Deutscher Titel: Das Harvard-Konzept)

Um die Grundprinzipien zu erklären, hat William Ury in einem Video die Geschichte von den 18 Kamelen erzählt.

Da diese Geschichten einige Fragezeichen in meinem Kopf hervorgerufen hat, habe ich recherchiert und gerechnet.

Außerdem habe ich eine Bildergeschichte daraus gemacht – also lehnen Sie sich zurück, jetzt ist orientalische Märchenstunde angesagt:

Ein Kamel ist kein Kamel...

Die Geschichte vom 18. Kamel 

Ein Mann hinterließ seinen drei Söhnen 17 Kamele. Der älteste Sohn sollte die Hälfte der Kamele bekommen, der mittlere ein Drittel und der Jüngste ein Neuntel. (Es wird zwar nicht so erzählt, aber die Kamele sollten vermutlich nicht geschlachtet werden.)

Das Erbproblem



Die Söhne zerbrachen sich den Kopf darüber, wie sie die geerbten Kamele aufteilen könnten. Da kam eine weise Frau (Ich habe einen Mann daraus gemacht – künstlerische Freiheit) und bot ihre Hilfe an.

Die Lösung des Fragezeichens


Ihr Vorschlag: Sie gibt den drei Jungs ihr Kamel und dann haben sie 18 Kamele, eine wesentlich teilerfreundlichere Zahl.

Aufstockung


Nun teilten die Söhne die 18 Kamele auf: Der älteste Sohn bekam die Hälfte, also neun, der mittlere ein Drittel, also sechs und der jüngste ein Neuntel, also zwei.

Das wundersame Ergebnis der Teilung

Und siehe da: Ein Kamel blieb übrig, denn neun plus sechs plus zwei sind ja nur 17. So gaben sie das Kamel der weisen Frau zurück.

Und die Moral von der Geschichte: Wir müssen nach kreativen Lösungen suchen, die auf eine Win-Win-Situation hinausgehen.

[Exkurs: Die Cliparts, die ich benutzt habe, stammen von Microsoft Office. Ganz herzlichen Dank an Herrn W. vom Support, der mir freundlich und humorvoll sehr geholfen hat meine Frage nach der Nutzung im Internet zu beantworten.]

Bis dahin die Geschichte von Mr. Ury
der die Geschichte von Mr. Segal hat,
der die Geschichte von Herrn von Foerster hat,
der die Geschichte von Herrn Luhmann hat (11 Kamele),
der die Geschichte von M. Dupuy hat,
der…

Nun will ich mal nachrechnen:

Oops!

Aha! Der Vater vererbte also nicht die Gesamtmasse von 17 Kamelen an seine Söhne, er hatte offensichtlich eine Hinterkeule für Tante Ernas Grill herausgerechnet.

So können wir schon mal feststellen, dass die Söhne nicht ganz dem Willen ihres Vaters entsprochen haben. Sie haben Tante Erna ihr Erbe vorbehalten.

Nun schauen wir uns mal an, ob die Verteilung unter den Brüdern wenigstens gerecht war:

Wer wenig hat, braucht auch weniger mehr

Der älteste Bruder bekam zusätzlich zu seinem halben Anteil 0,5 von der Kamelkeule, die Tante Erna zugestanden hätte. Der mittlere Bruder bekam weniger hinzu, der jüngste am wenigsten. Da war nun schon der Vater so ungerecht, dem jüngsten Sohn so viel weniger als den anderen zu hinterlassen, und dann bekommt er auch noch weniger von dem ergaunerten Achtzehntel.

Für mich ist die Moral der Geschichte folgende:

Die Brüder haben den letzten Willen des Vaters ignoriert. Sie haben Tante Erna um ihr – wenn auch sehr geringes – Erbe gebracht. Und der jüngste Bruder ist von den beiden älteren sowie vom Vater ziemlich ungerecht behandelt worden.

Also ist die Geschichte eigentlich nicht ganz geeignet eine Win-Win-Strategie zu erklären. Und die weise Frau hat einfach nur Beihilfe geleistet.

Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich kritisiere das Harvard-Konzept durchaus nicht. Demnächst werde ich noch darüber schreiben.

Erst mal zeige ich in einem der nächsten Posts, wie man aus abgewandelten Cliparts Bildergeschichten macht.

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