Sägeblatt-Effekt

In dem Klassiker „Das 1x1 des Zeitmanagement“ berichtet Prof. Lothar J. Seiwert von dem –wie er schreibt – bekannten Sägeblatt-Effekt. Leider ist an dieser Stelle keine Quelle zu finden.

Auf Seite 36 des Büchleins wird der Effekt erklärt:

„Wird er von seiner Aufgabe auch nur für einen kurzen Moment abgelenkt, so bedarf es bis zur erneuten Weiterarbeit an der gleichen Stelle einer zusätzlichen Anlaufs- und Einarbeitungszeit. Addiert man diese Leistungsverluste einmal auf, so kann bis zu 28% unserer Zeit verloren gehen.“

Wenn man davon ausgeht, dass ich zu 100% konzentriert bin, schön rhythmisch und regelmäßig gestört werde, danach immer auf 0% Konzentration falle und mich stetig hocharbeite bis 100%, an welcher Stelle ich wieder gestört werde…… - dann ergibt sich eine Grafik, die aussieht wie ein Sägeblatt.

Säge mit Blatt, für Linkshänder und Rechtshirner



Eine Szene aus der griechischen Mythologie drängt sich mir auf: Der arme Sisyphus war dazu verdammt, einen schweren Stein den Berg hinan zu rollen. Sobald er das geschafft hatte, rollte der Stein wieder hinunter und Sisyphus musste von vorn anfangen.

Das klassische Zeitmanagement bietet uns wieder Einiges an wissenschaftlichem Flair: Ein Diagramm, exakte Zahlen, ein ernsthaftes Problem. Der Appell ist, dass wir uns nicht so viel stören lassen sollen – Sie wissen ja, die Zeitfresser kommen!

Zurück zur Beschreibung des Sägeblatt-Effekts: Bis zu 28% unserer Zeit kann verloren gehen! Woher stammt die Zahl? Warum nicht 27,85% oder 28,39%?

Zugegeben: Der Satz: „Wenn ich unterbrochen werde, brauche ich danach ein Weilchen, bis ich wieder im Stoff drin bin“ hört sich nicht so effektvoll an. Er stellt fast eine Binsenweisheit dar. Mit einem schicken Diagramm und exakten Werten macht das schon mehr her.

Die empfohlene Reparatur für das Sägeblatt ist die „Stille Stunde“ oder „Termin mit sich selbst“. Dieser Termin wird in den Kalender eingetragen und niemand darf stören. Im Buch wird hier noch ein zweites Diagramm angeboten, die Tagesstörkurve. Es handelt sich hier zwar nicht um eine Kurve, aber das macht nichts. Ist auch so schön. Die „Stille Stunde“ soll man in die störarme Zeit legen und A-Aufgaben (das sind die wichtigsten) erledigen.

Dann haben wir das Sägeblatt immer noch in der restlichen Zeit. Wenn diejenigen Leute, die mich in meiner stillen Stunde nicht erwischen konnten, mir danach massiv auflauern, kann es zu regelrechten Zeitfresser-Attacken kommen. Verliere ich dann in der Sägeblatt-Zeit mehr als 28% meiner Zeit?

Mein Rat: Fahren Sie zum Baumarkt, holen Sie eine Säge und ein paar Sägeblatter und fangen Sie an zu arbeiten. Aber machen Sie die Tür zu, denn ich will nicht sehen, wie Sie in Ihrer stillen Stunde schuften!

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