In tiefster Ehrfurcht - Ihr unterthänigster Diener

Finden Sie den Ausdruck im Titel Titel schräg und antiquiert? Wie finden Sie denn Folgendes?

„Ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung.“

Da fehlt nur noch ein Devotionsstrich – gezogen vom Schluss des Textes bis zur Unterschrift über den so genannten Respects-Spatium. Das habe ich in der historischen Aktenkunde so gelernt.

Bevor Sie Ausdrücke wie den mit der Verfügung benutzen, stellen Sie sich das doch einmal plastisch vor.

Stets zu Ihrer Verfügung

Wenn Sie das jetzt immer noch so schreiben oder sagen wollen, tun Sie es.

Ansonsten schreiben oder sagen Sie zum Beispiel:


 „Wenn Sie Fragen haben, erreichen Sie mich unter…“
„Gern helfe ich Ihnen, wenn die Anwendung Schwierigkeiten machen sollte.“
„Sie erreichen mich von…bis.. unter der Telefonnummer…“
„Für den Fall, dass es Probleme gibt, wissen Sie ja, wo Sie mich erreichen.“ …

Ich möchte Ihnen noch einige andere Floskeln vorstellen und Alternativen dazu aufzeigen.

„Floskel“ ist übrigens ein interessantes Wort. Es hat mal schön angefangen mit dem lateinischen „flos“ (Blume), verkleinert zu „flosculum“ (Blümchen). In der antiken Rhetorik war damit eine besonders schöne sprachliche Wendung gemeint. Heute benutzt man „Floskel“ eher im negativen Sinn.

Hier ist noch ein Beispiel für eine eher mündlich verwendete Floskel:

„Meine Wenigkeit“

Das ist ein Spiel mit Größe und Kleinheit, ein Kokettieren mit der Erniedrigung. Witzig ist es inzwischen nicht mehr, denn es ist reichlich abgenutzt. Die Hoffnung dahinter ist wahrscheinlich, dass, wer sich selbst erniedrigt, erhöht wird.

Sagen Sie stattdessen einfach „ich“, es sei denn, Sie bevorzugen den pluralis maiestatis (Majestätsmehrzahl) und sagen von sich: „Wir meinen“.

Noch eine Wendung aus dem Schriftlichen:

„Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen.“

Oh ja, der Konjunktiv, des Deutschen Lieblingsform! So richtig freudig hört sich das nicht an. Außerdem klingen da Zweifel an, ob man überhaupt in Erwägung gezogen werden könnte.

Wie wäre es stattdessen mit:

"Gern stelle ich mich persönlich bei Ihnen vor."
"Ich freue mich, wenn Sie mich zu einem Vorstellungsgespräch einladen."
...

So klingt es schon etwas zuversichtlicher.

Beim unnötig verwendeten Konjunktiv schwingt immer etwas mit von „Ich könnte, wenn ich wollte“. Zielgerichtetes Verhalten hört sich anders an.

Schwammig ist auch:

„Das habe ich irgendwie zusammen gestellt.“

Gewürfelt? Solche Aussagen habe ich schon in den Versuchen zu wissenschaftlichen Arbeiten gefunden. „Irgendwie“ streichen Sie am besten ersatzlos. Sie müssen niemandem erklären, dass Sie keinen Plan haben.

Und zum Schluss:

"Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!"


So bitte nicht!
(Und dann auch noch in "Comic Sans"-Schrift)

Das ist eine der häufigsten Abschlussfolien bei Präsentationen (Beispiel mit Grafik). Manchmal gibt es noch nette Strichmännchen dazu oder einen Clipart-Handshake. LANGWEILIG!

Denken Sie mit mir ganz kurz über die Situation nach: Sie haben einen Vortrag gehalten, den Sie mit viel Liebe und Mühe vorbereitet haben. Die Leute sitzen immer noch da, sie sind nicht abgehauen, sie sind nicht eingepennt. Was haben sie sonst noch geleistet? Wem ist zu danken?

Jetzt kommen Sie besser nicht auf die Idee, Ihre letzte Folie mit: „Danke, dass Sie nicht eingepennt sind“ zu beschriften.

Die letzte Folie ist Ihre Chance, die Botschaft an den Mann zu bringen. Da könnte zum Beispiel stehen:

„Weitere Informationen auf meiner Website…..“
„Mein nächster Vortrag…“
„Ihrer Spenden bitte auf Konto….“

Und was ist mit Danke? – Bedanken Sie sich für die guten Fragen in der Fragerunde, für den netten Empfang oder Wasauchimmer, wenn es denn wirklich dankenswert ist.

Nett sein können Sie auch ohne Dank: Wünschen Sie dem Publikum beispielsweise - individuell und situationsbezogen formuliert - einen schönen Abend: „Bei diesem Wetter werden Sie bestimmt draußen sitzen und es ist auch noch früh genug, den Grill anzuwerfen“.

Ihnen fällt schon was ein.

„A rivederci, und grüße die Deinen. Ich persönlich verharre unter dem Devotionsstrich als Dein getreuer und nie erkaltender Gideon Hasenklever, zurzeit noch in Salzschlirf und an den Quellen des heiligen Bonifazius büßend. Amen.“

Joseph von Lauff: Die Seherin von der Getter - Kapitel 18 / 1923


Weitere Tipps für den Redeschluss in diesem Blog.

Kommentare